Me and my knives

„A jeder Bua braucht an Feitl und a Schnur“ hieß es in meiner Kindheit noch. Da war es ganz normal, dass jeder Bua seinen Taschenfeitl in der Hosentasche mit in die Schule genommen hat, niemals hätte da ein Lehrer oder ein Elternteil etwas schlimmes dabei gedacht oder das verboten. Am Schulweg wurden damit Pfeiferl aus Haselnussstecken geschnitzt und in der Schule wurden die Taschenmesser höchstens zum Vergleichen ausgepackt.“Wer hat den größten?“ begleitet die Jungs scheinbar ein ganzes Leben lang.

Und nachdem ich ein Mädchen war hatte ich mit Messern überhaupt nie was am Hut. Später mit Küchenmessern, ja. Da am liebsten groß und scharf. Aber niemals mit welchen zum Einstecken. Ein Taschenmesser in der Handtasche, wie sieht das denn aus? Wobei ich zugeben muss, dass ich öfter gern eines mitgehabt hätte, denn nicht alles was geschnitten werden muss lässt sich unterwegs mit der Nagelschere erledigen. Gut, ich gehör zu den Frauen, die auch immer hohe Schuhe getragen haben, auch wenn es sich in Sneakers bequemer geht.

Vor einigen Jahren schon hat mir eine Freundin auf einem unserer vielen Kurzurlaube mit dem Jetski-Club voller Stolz ihr neues Messer gezeigt. Ein amerikanisches Folding knife, so richtig outdoormäßig. Ich konnte ihre Freude überhaupt nicht nachvollziehen und fragte sie, wozu sie das denn verwendet. Ihre Erklärung war so einach wie einleuchtend:

„Weißt mir ist das so am Geist gegangen, immer wenn wir wo unterwegs waren und dann gejausnet  haben, haben alle Männer ihr Messer ausgepackt und ordentlich eingeschnitten, Hartwürste, Speck, Brot, Käse. Und ich, das Blondie, bin immer dabei gesessen und hab mit einem Tafelmesser herumgefizzelt. Hast schon einmal probiert, mit einem Tafelmesser was von einem Speckreinken abzuschneiden? Es hat sich dann immer einer der Männer mit mitleidigem Lächeln erbarmt und mir was runter geschnitten. Und auf einmal war mir das zu blöd! Ich zieh meine Kinder allein groß, ich hab einen Motorbootschein, kann einen LKW mit Anhänger fahren aber am Strand Speck schneiden könnt ich nicht? Kann doch nicht sein, oder? Und am nächsten Tag bin ich gegangen und hab mir ein Messer gekauft. Und gut ists.“

Jo eh, schön für dich, dachte ich mir, aber ich mag weder Hartwürste noch Speck, also brauch ich auch kein Messer.

Wenn das nur so einfach wär. Irgendwie hat mich der Gedanke an Isabella und das Messer nicht mehr losgelassen und ein paar Urlaube später war ich so weit, dass ich auch ein Messer wollte. Ich machte mich auf die Suche nach meinem ganz persönlichen Messer. Das gestaltete sich aber schwieriger als gedacht. Kaum ein Messer gefiel mir, ich wollte ja kein Jagdmesser. Die wenigen, die mir gefielen lagen einfach nicht gut in der Hand. Und so sollte es noch weitere zwei Jahre dauern bis ich endlich in Alaska mein Buck Knife fand.

Es ist genau das richtige für mich, nicht zu groß liegt durch die Griffmulden sehr gut in der Hand. Ich liebe es heiß und hab es immer mit. Und meine Befürchtungen waren umsonst, meine Handtaschen haben mir nicht die Treue aufgekündigt, sie haben sich arrangiert. 😉

Nachdem es Hans-Jürgen auch so gut findet wollte er sich nach einiger Zeit auch so eines kaufen. Leider ist dieses Modell in Europa nicht zu bekommen, es wird auch scheinbar nicht mehr produziert. Trotzdem ist es mir gelungen eines aus einer limited edition aufzutreiben, das hab ich ihm dann im Jahr darauf zu Weihnachten geschenkt. Es hat zwar keine Griffmulden, dafür eine schöne Gravur.

Vor 2 Jahren beim Heimflug aus Vancouver ist mir dann was richtig blödes passiert. Natürlich weiß ich, dass man keine Messer, Scheren, Nagelfeilen, Nägel Schrauben, Schraubenzieher und sonstige potenzielle Waffen im Handgepäck mitnehmen darf ….

Ihr ahnt sicher schon, was passiert ist. Ja, genau, beim Wohnmobil ausräumen und Packen ist mein geliebtes Buck irgendwie in meinem Handgepäckrucksack geblieben. Und ich ging vollkommen ahnungslos durch die Sicherheitskontrolle und mein Rucksack durch den Scanner. Ich war noch immer ahnungslos. Als der Securitymann sagte: „Who’s bag ist this?“ und meinen Rucksack schwenkte meldete ich mich und es entpann sich folgender Dialog:

Anything sharp in it?

No! – voller Überzeugung

Are you sure? – schon etwas nachdrücklicher

Yeah! – immer noch selbstsicher lächelnd

Really sure? – jetzt schon sehr ernst und sehr nachdrücklich

Of course, really sure! – immer noch sehr überzeugt und mit null Ahnung, was er meinen könnte

Ok, open it! – und hält mir den Rucksack hin

In dem Moment überfiel mich blankes Entsetzen und in der nächsten Sekunde die pure Verzweiflung, weil mir klar war, dass da mein Messer drin ist und ich das jetzt zu letzten mal sehen werde, weil ich es sicher nicht mitnehmen darf.

Oh no, my Buck!

Und genau so dürfte ich reagiert haben. Ich weiß nur mehr, dass ich die Hände vors Gesicht geschlagen hab und den Tränen nahe den officer angefleht hab:

Oh no, please help me! Any chance I can keep it?  Please, tell me, what can I do?

Inzwischen waren einige seiner Kollegen auch näher gekommen und plötzlich waren alle furchtbar nett und hilfreich. Wann ich denn wieder nach Vancouver komme, ich kann das Messer ja irgendwo deponieren und es bei Wiedereinreise abholen. Leider keine Option. Ob ich jemanden in Vancouver kenne, der es für mich aufbewahren kann? Nein, leider auch nicht.
Versuch beim Check-in ob es vielleicht noch ins Gepäck kann. Auch nicht mehr möglich.

Schließlich der erlösende Vorschlag der Dame an der Schleuse: „Why don’t you go down to the Post office in the basement and have it mailed to your home address?“ Ich hätt sie küssen können. Ich war so erleichtert, auch wenn mir der Postbeamte gesagt hat, dass es leider keine Garantie gibt weil öfter mal was nicht ankommt. Aber es war eine gute Chance. 3 Wochen später konnte ich es wieder in meiner Handtasche verstauen.

Es erübrigt sich zu sagen, dass ich seither noch mehr dran hänge.

Natürlich sind die beiden Bucks in jedem Urlaub und auch sonst bei fast allen Gelegenheiten mit und es macht uns Spaß, z.b. beim Heurigen zum Essen fast synchron unsere Messer auszupacken und uns nicht mit den nicht schneidenden Tafelmessern plagen zu müssen.

Beim Stadtbummel in Jasper ist mir ein kleiner Laden aufgefallen, weil er so schöne Messer in der Auslagen hatte. Und natürlich ist mich bei genauerem Betrachten im Shop eines hinterrücks angesprungen und hat „Kauf mich, kauf mich!“gerufen. Im ersten Anlauf konnte ich es noch abschütteln, und habe mir auf Grund des Preises eine Bedenkzeit auferlegt. Als ich nach dem Mittagessen noch mal dort war konnte ich allerdings nicht mehr widerstehen, vor allem weil ich wusste, dass ich ewig sudern würde wenn ich es nicht kaufe, weil ich so eines sicher nirgends anders bekomme.

Hier ist es also, mein neues wunderschönes Messer.

Somit ist die Familie jetzt komplett Mama, Papa, Kind 😉

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